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Montag, 30. März 2020, Usinger Neue Presse / Politik
Trauer um Finanzminister Schäfer
ANTEILNAHME CDU-Politiker beging Selbstmord - Bouffier: "Das erschüttert mich"

Wiesbaden - Der plötzliche Tod von Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) mitten in der Corona-Krise erschüttert die hessische Landespolitik. Die Polizei geht davon aus, dass sich der 54-Jährige das Leben nahm. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zeigte sich tief erschüttert und verwies darauf, dass sich Schäfer offensichtlich in der Corona-Krise große Sorgen gemacht habe. "Ich muss davon ausgehen, dass ihn diese Sorgen erdrückt haben. Er fand offensichtlich keinen Ausweg mehr. Er war verzweifelt und ging von uns. Das erschüttert uns, das erschüttert mich", sagte Bouffier.
Schäfers Leiche war am Samstagvormittag an einer ICE-Strecke gefunden worden. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.
Schäfer, dessen politische Heimat der Kreis Marburg-Biedenkopf war, war mehr als zwei Jahrzehnte in der hessischen Landespolitik aktiv. 2010 hatte er das Amt des Finanzministers übernommen. Der Finanzexperte machte dabei auch bundesweit auf sich aufmerksam. Er galt auch als Kandidat für die Nachfolge von Regierungschef Bouffier.
Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat Schäfer einen Abschiedsbrief hinterlassen. Die Polizei wollte sich dazu mit Blick auf laufende Ermittlungen nicht äußern.
Bouffier sagte zum Tod seines langjährigen politischen Weggefährten: "Wir sind geschockt, wir sind fassungslos, und wir sind vor allen Dingen unendlich traurig." Schäfer habe als exzellenter Fachmann über die Grenzen Hessens hinaus höchste Anerkennung und Vertrauen erfahren. "Gerade ihn hätten wir in einer so schweren Zeit besonders gebraucht", sagte Bouffier. "Die größte Herausforderung unseres Landes, sie erfordert Besonnenheit und Tatkraft. Für beides stand auch Dr. Thomas Schäfer." Er habe bis zuletzt daran gearbeitet, diese Krise organisatorisch und finanziell zu bewältigen.
CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte: "Die Nachricht vom plötzlichen Tod von Thomas Schäfer hat mich, hat uns alle in der CDU schockiert."
"Ein Mensch
mitten im Leben"
Über die Parteigrenzen hinweg herrschte Bestürzung und Fassungslosigkeit. Vertreter der Oppositionsparteien im Landtag sowie der katholischen und der evangelischen Kirche drückten ihr Beileid für die Familie und die Hinterbliebenen aus.
Hessens SPD-Landtagsfraktionschefin Nancy Faeser sagte: "Als Politiker war Dr. Thomas Schäfer geradlinig und durchsetzungsstark, schlagfertig und humorvoll. Die seelischen Schmerzen, die der Mensch Thomas Schäfer empfunden haben muss, blieben uns leider verborgen."
Der Chef der Landtagsfraktion der Grünen, Mathias Wagner, sagte: "Thomas Schäfer wie wir ihn erlebten, schätzten und mochten: ein Mensch mitten im Leben, voller Tatendrang, klug, humorvoll und fröhlich." Wagner fügte hinzu: "Wir sind von tiefer Trauer erfüllt und können nicht begreifen, was geschehen ist."
Die Vorsitzende der Finanzministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Ressortchefin Doris Ahnen (SPD), sagte: "Thomas Schäfer hat sich um das Land Hessen und darüber hinaus verdient gemacht. Er war ein fachkundiger Politiker, ein kluger und zugewandter Kollege."
Hessens früherer Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte über Schäfer: "In seltener Weise verstand er höchste Kompetenz und Professionalität mit Bodenständigkeit, Zugewandtheit und Geselligkeit zu verbinden - und mit seinem trockenen, bisweilen deftigen Humor half er auch schwierige Situationen zu lösen", erinnerte sich Koch. "Dass er für sich keinen anderen Weg sah und seine Frau und die beiden Kinder zurücklässt, macht mich unendlich traurig." Koch hatte Schäfer im Jahr 2002 als seinen Büroleiter in die hessische Staatskanzlei in Wiesbaden geholt. dpa» Seiten 2 und 6
Wo man Hilfe findet
Wir berichten normalerweise nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung gibt es nur dann, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existenziellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter 0800-11 10 111.

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